Gute Praxis
Maria-Ward-Schule Kempten: Wundermittel gegen Leseunlust – Freies Lesen!
von Uta Ratzer
Um dem Übel der notorischen Leseunlust zu Leibe rücken zu können, suchten die Deutschlehrer unserer Schule schon lange nach Erfolg versprechenden „Therapieformen“. Auf einer regionalen Lehrerfortbildung im Jahr 2004 zum Thema „Leseförderung“ (Referentin: Karin Lechner, LESEFORUM BAYERN) wurden wir fündig. Dort machten wir erste Bekanntschaft mit dem Projekt „Freies Lesen“. Die Fachschaft Deutsch war sofort begeistert und auch Schulleitung sowie das Kollegium konnten schnell für diese Idee gewonnen werden, sodass die „Lesekiste“, wie unsere Schülerinnen dieses Projekt nennen, sukzessive eingeführt wurde.
Die Idee, die dieser Form der Leseförderung zugrunde liegt, ist so einfach wie wirkungsvoll: Es wird im Stundenplan pro Woche eine festgelegte Stunde für das „Freie Lesen“ eingeplant. Diese Stunde speist sich wechselweise aus dem Stundenkontingent aller Fächer (außer Sport), sodass bei 39 Schulwochen jedem Fachlehrer nur wenig mehr als die Wochenstundenzahl im Laufe eines Schuljahres für das „Freie Lesen" geopfert werden muss, was durchaus zu verschmerzen ist.
Selbstverständlich wird das System flexibel gehandhabt. So kann ein Lehrer z. B. das Freie Lesen verschieben, wenn ihm dadurch die letzte Stunde vor einer Schulaufgabe entfiele. Es ist aber vereinbart, dass solche Stunden zuverlässig nachgeholt werden. An diese Regelung halten sich die meisten Lehrer gewissenhaft; wenn nicht, dann werden die Lektürestunden von den Schülerinnen mit Nachdruck eingefordert.
Die jeweiligen Lehrkräfte sind mit den Regeln des „Freien Lesens“ vertraut und betreuen die Klasse. Ihnen ist es nicht nur erlaubt, sondern es ist sogar erwünscht, dass sie diese Stunde auch selbst zum Lesen nutzen und den Schülerinnen so zum Vorbild werden. Das besonders Positive ist, dass selbstverständlich auch Vertretungsstunden zum „Freien Lesen“ verwendet und damit sinnvoll ausgefüllt werden können. Die Pläne hängen im Lehrerzimmer und in den Klassenzimmern aus. In der Zeit der Skilager, der Abschlussprüfungen und der Grippewellen lernten die Klassen wie ihre Lehrer die Vorzüge des "Freien Lesens" bereits sehr schätzen.
Der Lesestoff, aus dem die Schülerinnen auswählen können, wird von der Schule zur Verfügung gestellt und befindet sich in sechs Kisten, die mit Hilfe eines Wagens transportiert werden (Abb.). Im Angebot sind neben Romanen aller Art auch Sachbücher, die bei unseren Mädchen leider nur wenig Zuspruch erfahren. Zeitschriften haben wir wegen der geringen Nachfrage nach kurzer Zeit wieder aus dem Angebot genommen. Die Auswahl ist so groß, dass bisher jede Schülerin etwas nach ihrem Geschmack fand. In den letzten 5 - 10 Minuten der Lesestunde muss ein Lesetagebuch geführt werden, auf das am Ende eines Halbjahres eine mündliche Note erteilt wird. Es wird kurz der Inhalt des Gelesenen zusammengefasst und eine Bewertung des Buches abgegeben.
Bei den ebenfalls als Download vorliegenden Literaturlisten muss bedacht werden, dass es sich bei unserer Schule um eine reine Mädchenschule handelt. Für gemischte Schulen muss sicher in Teilen eine andere Auswahl getroffen werden.
Bewährt hat es sich, dass die Schülerinnen die Lektürelisten, die den Bücherkisten beigelegt sind, als Strichlisten für gelesene Bücher verwenden. Denn dies hilft der verantwortlichen Lehrkraft bei der Anschaffung neuer Bücher. Selbstverständlich dürfen die Schülerinnen auch ganz konkrete Bücherwünsche äußern, die erfüllt werden, wenn es die Finanzen erlauben.
Die Mittel, die zum Erwerb von Büchern, Kisten und Wägen benötigt wurden, stammten bei uns vom Sachaufwandsträger, vom Elternbeirat und Förderverein sowie aus Spenden durch Schülerinnen, Lehrkräften und Eltern.
Fazit: Die Vorteile des Freien Lesens sind unübersehbar. Herkömmliche Versuche zur Förderung der Lesemotivation, wie Schüler- und Klassenbücherei, regen oft nur diejenigen Kinder und Jugendliche zu weiterer Lektüre an, die ohnehin schon Leseratten sind, während doch gerade die „leseresistenten“ Schülerinnen und Schüler die Übung am meisten bräuchten. Wir gehen auch davon aus, dass das "Freie Lesen" nachhaltig auf das Leseverhalten wirkt. Wenn man bedenkt, dass dem Lesen in fünf Schuljahren durch die wöchentliche Lesestunde sehr viel Raum gegeben wird, ist die Hoffnung wohl nicht unberechtigt, dass ein Gewöhnungseffekt eintritt und den Schülerinnen am Ende ihrer Schulzeit ohne Buch etwas fehlt. Außerdem werden beim "Freien Lesen" die Lehrkräfte aller Fächer in die Aufgabe der Leseförderung sinnvoll eingebunden. Sie verlieren zwar die eine oder andere Unterrichtsstunde, gewinnen aber eine Entlastung bei Vertretungsstunden. Schlussendlich profitieren alle Lehrkräfte von der durch "Freies Lesen" gesteigerten Lesemotivation und Lesekompetenz in ihren eigenen Unterrichtsfächern.
Die Idee, die dieser Form der Leseförderung zugrunde liegt, ist so einfach wie wirkungsvoll: Es wird im Stundenplan pro Woche eine festgelegte Stunde für das „Freie Lesen“ eingeplant. Diese Stunde speist sich wechselweise aus dem Stundenkontingent aller Fächer (außer Sport), sodass bei 39 Schulwochen jedem Fachlehrer nur wenig mehr als die Wochenstundenzahl im Laufe eines Schuljahres für das „Freie Lesen" geopfert werden muss, was durchaus zu verschmerzen ist.
Selbstverständlich wird das System flexibel gehandhabt. So kann ein Lehrer z. B. das Freie Lesen verschieben, wenn ihm dadurch die letzte Stunde vor einer Schulaufgabe entfiele. Es ist aber vereinbart, dass solche Stunden zuverlässig nachgeholt werden. An diese Regelung halten sich die meisten Lehrer gewissenhaft; wenn nicht, dann werden die Lektürestunden von den Schülerinnen mit Nachdruck eingefordert.
Die jeweiligen Lehrkräfte sind mit den Regeln des „Freien Lesens“ vertraut und betreuen die Klasse. Ihnen ist es nicht nur erlaubt, sondern es ist sogar erwünscht, dass sie diese Stunde auch selbst zum Lesen nutzen und den Schülerinnen so zum Vorbild werden. Das besonders Positive ist, dass selbstverständlich auch Vertretungsstunden zum „Freien Lesen“ verwendet und damit sinnvoll ausgefüllt werden können. Die Pläne hängen im Lehrerzimmer und in den Klassenzimmern aus. In der Zeit der Skilager, der Abschlussprüfungen und der Grippewellen lernten die Klassen wie ihre Lehrer die Vorzüge des "Freien Lesens" bereits sehr schätzen.
Der Lesestoff, aus dem die Schülerinnen auswählen können, wird von der Schule zur Verfügung gestellt und befindet sich in sechs Kisten, die mit Hilfe eines Wagens transportiert werden (Abb.). Im Angebot sind neben Romanen aller Art auch Sachbücher, die bei unseren Mädchen leider nur wenig Zuspruch erfahren. Zeitschriften haben wir wegen der geringen Nachfrage nach kurzer Zeit wieder aus dem Angebot genommen. Die Auswahl ist so groß, dass bisher jede Schülerin etwas nach ihrem Geschmack fand. In den letzten 5 - 10 Minuten der Lesestunde muss ein Lesetagebuch geführt werden, auf das am Ende eines Halbjahres eine mündliche Note erteilt wird. Es wird kurz der Inhalt des Gelesenen zusammengefasst und eine Bewertung des Buches abgegeben.
Bei den ebenfalls als Download vorliegenden Literaturlisten muss bedacht werden, dass es sich bei unserer Schule um eine reine Mädchenschule handelt. Für gemischte Schulen muss sicher in Teilen eine andere Auswahl getroffen werden.
Bewährt hat es sich, dass die Schülerinnen die Lektürelisten, die den Bücherkisten beigelegt sind, als Strichlisten für gelesene Bücher verwenden. Denn dies hilft der verantwortlichen Lehrkraft bei der Anschaffung neuer Bücher. Selbstverständlich dürfen die Schülerinnen auch ganz konkrete Bücherwünsche äußern, die erfüllt werden, wenn es die Finanzen erlauben.
Die Mittel, die zum Erwerb von Büchern, Kisten und Wägen benötigt wurden, stammten bei uns vom Sachaufwandsträger, vom Elternbeirat und Förderverein sowie aus Spenden durch Schülerinnen, Lehrkräften und Eltern.
Fazit: Die Vorteile des Freien Lesens sind unübersehbar. Herkömmliche Versuche zur Förderung der Lesemotivation, wie Schüler- und Klassenbücherei, regen oft nur diejenigen Kinder und Jugendliche zu weiterer Lektüre an, die ohnehin schon Leseratten sind, während doch gerade die „leseresistenten“ Schülerinnen und Schüler die Übung am meisten bräuchten. Wir gehen auch davon aus, dass das "Freie Lesen" nachhaltig auf das Leseverhalten wirkt. Wenn man bedenkt, dass dem Lesen in fünf Schuljahren durch die wöchentliche Lesestunde sehr viel Raum gegeben wird, ist die Hoffnung wohl nicht unberechtigt, dass ein Gewöhnungseffekt eintritt und den Schülerinnen am Ende ihrer Schulzeit ohne Buch etwas fehlt. Außerdem werden beim "Freien Lesen" die Lehrkräfte aller Fächer in die Aufgabe der Leseförderung sinnvoll eingebunden. Sie verlieren zwar die eine oder andere Unterrichtsstunde, gewinnen aber eine Entlastung bei Vertretungsstunden. Schlussendlich profitieren alle Lehrkräfte von der durch "Freies Lesen" gesteigerten Lesemotivation und Lesekompetenz in ihren eigenen Unterrichtsfächern.
Downloads
