Unsere Besten - Lesetipps für Schüler
Patentöchter. Im Schatten der RAF - ein Dialog
von Albrecht, Julia; Ponto, Corinna
| erschienen | Köln, 2011 Kiepenheuer & Witsch |
|---|---|
| ISBN-13 | 978-3-462-04277-1 |
| Einband / Umfang | gebunden , 215 S. |
| Preis | bis 20 € |
Untertitel
Eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema RAF: Dialog zwischen Julia Albrecht, der jüngeren Schwester Susanne Albrechts, und Corinna Ponto, der Tochter des ermordeten Jürgen Ponto
Bewertung
| Eignung als Klassenlektüre | weniger geeignet |
|---|---|
| Eignung für Jahrgangsstufen | 10 - 13 |
| Eignung für Schularten | alle Schularten |
| Eignung für Fächer | Deutsch, Ethik, Evang. Religionslehre, Geschichte, Kath. Religionslehre |
Besprechung
Im Juli 1977 wurde Jürgen Ponto, Vorstandssprecher der Dresdner Bank, von einem Kommando der linksextremistischen Terrororganisation Rote Armeefraktion (RAF) in seinem Haus ermordet. Arglos hatte er Susanne Albrecht, die Tochter eines engen Freundes, und ihre Begleiter empfangen. Nach der Tat zerreißt das Freundschaftsband zwischen den Familien Albrecht und Ponto, und erst 30 Jahre später kommt es auf Initiative von Julia Albrecht hin zu einem Treffen mit Corinna Ponto. Das vorliegende Buch ist aus Briefen, Dialogen und Reflexionen der „Patentöchter“ (Julia ist Jürgen Pontos Patentochter, Corinnas Patenonkel ist Hans-Christian Albrecht) entstanden.
Julia berichtet eindrucksvoll über den Zwiespalt, eine Schwester zu lieben, die etwas so ganz und gar Verwerfliches getan hat, und über die Versuche, dafür Erklärungen oder Entschuldigungen zu finden. Auch wird deutlich, wie sehr sie als Heranwachsende unter dem schweigenden Wissen ihrer Umwelt, unter dem Getuschel und den Schuldzuweisungen litt.
Corinna Pontos Qualen werden nicht weniger deutlich: Sie verließ mit ihrer Mutter noch im Jahr des Mordes Deutschland, zur Trauer über den Vater kommen Empörung und Fassungslosigkeit darüber, wie sehr in der „Aufarbeitung“ die Täter in den Mittelpunkt gestellt werden und wie wenig der Opfer gedacht wird. Auch fehlt es nach ihrer Überzeugung an wirklicher Aufklärung, sie vermutet die Stasi als eigentlichen Urheber der RAF-Verbrechen.
Der behutsame Umgang der beiden Frauen miteinander verdient Respekt, beide Familien sind Opfer der RAF. Beherzt suchen die beiden "Patentöchter" Antworten auf die Fragen nach Schuld und Verantwortung. Zeitgeschichtlich interessierte Schülerinnen und Schüler werden dabei sicherlich wertvolle Einblicke in eines der düstersten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte gewinnen können.
Julia berichtet eindrucksvoll über den Zwiespalt, eine Schwester zu lieben, die etwas so ganz und gar Verwerfliches getan hat, und über die Versuche, dafür Erklärungen oder Entschuldigungen zu finden. Auch wird deutlich, wie sehr sie als Heranwachsende unter dem schweigenden Wissen ihrer Umwelt, unter dem Getuschel und den Schuldzuweisungen litt.
Corinna Pontos Qualen werden nicht weniger deutlich: Sie verließ mit ihrer Mutter noch im Jahr des Mordes Deutschland, zur Trauer über den Vater kommen Empörung und Fassungslosigkeit darüber, wie sehr in der „Aufarbeitung“ die Täter in den Mittelpunkt gestellt werden und wie wenig der Opfer gedacht wird. Auch fehlt es nach ihrer Überzeugung an wirklicher Aufklärung, sie vermutet die Stasi als eigentlichen Urheber der RAF-Verbrechen.
Der behutsame Umgang der beiden Frauen miteinander verdient Respekt, beide Familien sind Opfer der RAF. Beherzt suchen die beiden "Patentöchter" Antworten auf die Fragen nach Schuld und Verantwortung. Zeitgeschichtlich interessierte Schülerinnen und Schüler werden dabei sicherlich wertvolle Einblicke in eines der düstersten Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte gewinnen können.
Hinweise für den Unterricht
Das Buch geht über eine rein geschichtliche Darstellung der RAF weit hinaus, könnte aber sowohl im Geschichtsunterricht als auch in Ethik oder Religion empfohlen oder in Form von Referaten eingesetzt werden. Zudem kann man mit diesem Buch wie auch mit dem von Anne Ameri-Siemens („Für die RAF war er das System, für mich der Vater: Die andere Geschichte des deutschen Terrorismus“) tatsächlich die Opfer in den Mittelpunkt stellen. Eine Untersuchung der Aufarbeitung der RAF und des Themas "Deutscher Herbst 1977" in Literatur und Film ist grundsätzlich geeignet als Thema für häusliche Arbeiten.
