Unsere Besten - Lesetipps für Schüler
Die Sirenen von Bagdad
von Khadra, Yasmina
| erschienen | München, 2010 Deutscher Taschenbuch Verlag |
|---|---|
| ISBN-13 | 9783423138659 |
| Einband / Umfang | 314 S. |
| Preis | bis 10 € |
| Gattung | Roman |
Untertitel
Wie wird man zum Selbstmordattentäter? Ein einfühlsamer und kluger Roman, der diese Frage beantwortet.
Bewertung
| Eignung als Klassenlektüre | sehr gut geeignet |
|---|---|
| Eignung für Jahrgangsstufen | 10 - 13 |
| Eignung für Schularten | alle Schularten |
| Eignung für Fächer | Deutsch, Geschichte |
Besprechung
Kafr Karam ist ein unbedeutender Ort irgendwo im Irak und dennoch der wesentliche Schauplatz in dem ergreifenden Roman „Die Sirenen von Bagdad“, in dem der algerisch-französische Autor Yasmina Khadra die Grausamkeit des Alltags und die Brutalität des Krieges nach dem Einmarsch der Amerikaner im Frühjahr 2003 verdeutlicht. Anfangs kämpfen die meisten Dorfbewohner lediglich gegen die eigene Langeweile, führen sie doch ein von jeglichem Kriegsgeschehen relativ unberührtes Leben. Auch der Ich-Erzähler lässt sich eher treiben, als dass er Initiative ergreift. „So gingen die Tage dahin, einer nach dem anderen, gleich einer Geisterkarawane. Sie tauchten auf aus dem Nirgendwo im Morgengrauen, ohne Anmut noch Glanz, und verschwanden im Abend, still und heimlich, von der Dunkelheit verschluckt.“
Schicksalsträchtige Ereignisse verändern dann jedoch plötzlich das Leben der jungen Männer im Dorf: So wird der behinderte Suleiman versehentlich von amerikanischen GI´s während einer Routinekontrolle erschossen. Ein Bombenangriff während eines Hochzeitsfests auf der Farm der Familie Haitem verursacht ein regelrechtes Massaker – ebenfalls ein fataler Irrtum, haben doch die amerikanischen Besatzer hier irakische Freiheitskämpfer vermutet. Das Schlüsselerlebnis für den Ich-Erzähler Initiative zu ergreifen und sich als Selbstmordattentäter zur Verfügung zu stellen, ist jedoch die Entehrung seines Vaters. Dieser wird während einer Durchsuchungsaktion im Haus der Familie des Protagonisten zu Boden gestoßen. Dabei werden seine Genitalien für alle sichtbar – ein nicht wieder gut zu machender Affront. Khadra gelingt es hier, den Lesern der westlichen Welt deutlich zu machen, dass der Ehrbegriff im Orient fundamental ist.
Der Protagonist beschließt von nun an, diese Demütigung zu rächen, koste es, was es wolle. Die Not der Menschen und der tägliche Wahnsinn im Ausnahmezustand werden während des Vergeltungsversuches des Protagonisten mehr als fühlbar. Beeindruckend ist, dass Khadra die Terroristen über Sinn und Unsinn des Widerstands diskutieren lässt. Dabei wird deutlich, dass der Fundamentalismus im Irak nicht systemimmanent ist. Vielmehr wird im Laufe des Romans ersichtlich, dass es viele Ursachen gibt, welche die Menschen zu einem übergreifenden Hass gegenüber der westlichen Welt bewegt und dass es so einfach wäre, durch Einfühlungsvermögen Konflikte zu vermeiden. Ein absolut lesenswertes Buch, das gleichzeitig Lust macht, sich den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen im Irak mit Interesse zu nähern.
Schicksalsträchtige Ereignisse verändern dann jedoch plötzlich das Leben der jungen Männer im Dorf: So wird der behinderte Suleiman versehentlich von amerikanischen GI´s während einer Routinekontrolle erschossen. Ein Bombenangriff während eines Hochzeitsfests auf der Farm der Familie Haitem verursacht ein regelrechtes Massaker – ebenfalls ein fataler Irrtum, haben doch die amerikanischen Besatzer hier irakische Freiheitskämpfer vermutet. Das Schlüsselerlebnis für den Ich-Erzähler Initiative zu ergreifen und sich als Selbstmordattentäter zur Verfügung zu stellen, ist jedoch die Entehrung seines Vaters. Dieser wird während einer Durchsuchungsaktion im Haus der Familie des Protagonisten zu Boden gestoßen. Dabei werden seine Genitalien für alle sichtbar – ein nicht wieder gut zu machender Affront. Khadra gelingt es hier, den Lesern der westlichen Welt deutlich zu machen, dass der Ehrbegriff im Orient fundamental ist.
Der Protagonist beschließt von nun an, diese Demütigung zu rächen, koste es, was es wolle. Die Not der Menschen und der tägliche Wahnsinn im Ausnahmezustand werden während des Vergeltungsversuches des Protagonisten mehr als fühlbar. Beeindruckend ist, dass Khadra die Terroristen über Sinn und Unsinn des Widerstands diskutieren lässt. Dabei wird deutlich, dass der Fundamentalismus im Irak nicht systemimmanent ist. Vielmehr wird im Laufe des Romans ersichtlich, dass es viele Ursachen gibt, welche die Menschen zu einem übergreifenden Hass gegenüber der westlichen Welt bewegt und dass es so einfach wäre, durch Einfühlungsvermögen Konflikte zu vermeiden. Ein absolut lesenswertes Buch, das gleichzeitig Lust macht, sich den aktuellen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen im Irak mit Interesse zu nähern.
Hinweise für den Unterricht
Als Einstieg in diese Unterrichtssequenz eignen sich Aussagen von George W. Bush und Osama bin Laden über den jeweiligen Kriegsgegner. Die Schüler ordnen die einzelnen Aussagen den jeweiligen Machthabern zu. Anschließend bietet sich eine fundierte Diskussion über Fundamentalismus an. Mittels Schülerreferaten könnte die Entstehung der Irakkriege ereignisgeschichtlich abgehandelt werden. Der Roman selbst eignet sich hervorragend, um die Aufsatzform Charakterisierungen anhand der vielfältigen Figuren und Gesprächssituationen einzuüben. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten:
• Der Protagonist und sein Verhältnis zu seiner Familie (S. 21-24; S. 26f)
• Leben und Alltag in Kafr Karam (S. 29ff; S. 55-56)
• Die Entwicklung von Kadem (S. 30-33; S. 77-80)
• Auseinandersetzung zwischen Salah und Omar (S. 49-52)
• Verhalten der Amerikaner am Checkpoint (S. 61-65)
• Radikalisierungsprozess des Protagonisten (S. 106-111; S. 113-118)
• Das Verhältnis zwischen dem Protagonisten und seiner Schwester Farah (S. 144-148)
• Gespräch zwischen Omar und dem Protagonisten über Widerstand (S. 166-170)
• Analyse des Gesprächs zwischen Chaker und dem Protagonisten (S. 265-266)
• Gesprächsverhalten zwischen Said, Professor Ghany und dem Protagonisten (S. 268-271)
• Beurteilung der Argumente von Jalal und seinem ehemaligen Arbeitskollegen (S. 281-289)
• Der Protagonist und sein Verhältnis zu seiner Familie (S. 21-24; S. 26f)
• Leben und Alltag in Kafr Karam (S. 29ff; S. 55-56)
• Die Entwicklung von Kadem (S. 30-33; S. 77-80)
• Auseinandersetzung zwischen Salah und Omar (S. 49-52)
• Verhalten der Amerikaner am Checkpoint (S. 61-65)
• Radikalisierungsprozess des Protagonisten (S. 106-111; S. 113-118)
• Das Verhältnis zwischen dem Protagonisten und seiner Schwester Farah (S. 144-148)
• Gespräch zwischen Omar und dem Protagonisten über Widerstand (S. 166-170)
• Analyse des Gesprächs zwischen Chaker und dem Protagonisten (S. 265-266)
• Gesprächsverhalten zwischen Said, Professor Ghany und dem Protagonisten (S. 268-271)
• Beurteilung der Argumente von Jalal und seinem ehemaligen Arbeitskollegen (S. 281-289)
