Gesamtkatalog - alle Rezensionen des Leseforums
Der Vater eines Mörders
von Andersch, Alfred
| erschienen | Zürich, 2002 (1980) Diogenes |
|---|---|
| ISBN-10 | 3-257-20498-1 |
| Einband / Umfang | kartoniert , 139 Seiten |
| Preis | bis 10 € |
| Gattung | Erzählung |
Untertitel
Aus der Perspektive des vierzehnjährigen Franz Kien wird der Verlauf einer Griechischstunde des Jahres 1928 geschildert, in welcher der Münchener Schulleiter Himmler, Vater von Heinrich Himmler, Kien vor der Klasse bloßstellt und ihn aufgrund seiner ungenügenden Leistungen von der Schule verweist.
Bewertung
| Eignung als Klassenlektüre | gut geeignet |
|---|---|
| Eignung für Jahrgangsstufen | 10 |
| Eignung für Schularten | Gymnasien |
| Eignung für Fächer | Deutsch, Ethik, Geschichte, Zusätzliche Fächer |
Besprechung
Überraschend kommt der Schuldirektor - gesteuert durch den Titel sieht der Leser in ihm von Anfang an eine negative Figur - in eine Griechischstunde, nimmt dem Lehrer deren Leitung aus der Hand, um gezielt bestimmte Schüler herabzusetzen und zu demütigen. Offenbar aus persönlichen Minderwertigkeitsgefühlen heraus wählt er als erstes Opfer den Adeligen Konrad von Greiff, der sich aber keineswegs unterwirft, sondern auf unfaire persönliche Angriffe überlegen und in einer für die damalige Zeit respektlosen Art reagiert – und prompt entlassen wird. Kien, das zweite Opfer, kann nicht nur seine Aufgaben an der Tafel nicht lösen, sondern wird vor der Klasse bewusst blamiert: Himmler erklärt, Kien sei der ihm gewährten Schulgeldbefreiung nicht würdig und nicht geeignet, auf dem Gymnasium zu bleiben. Kiens Vater nimmt die Entlassung dann unerwartet ruhig auf.
Andersch hat in dieser Erzählung autobiographische Erlebnisse verarbeitet, die allerdings in starkem Widerspruch zu anderen Aussagen über den genannten Schuldirektor stehen. Der Versuch, ein persönliches Scheitern im Nachhinein mit der dämonischen Natur eines seine Macht missbrauchenden Schulleiters und vor dem Hintergrund einer heraufziehenden Verbrechensherrschaft und der Rolle des Himmler-Sohnes in ihr zu erklären, muss etwas unbefriedigend erscheinen. Dennoch ein Text, der in vielen Aspekten realistisch das Schulleben der Zwanzigerjahre zeigen dürfte.
Andersch hat in dieser Erzählung autobiographische Erlebnisse verarbeitet, die allerdings in starkem Widerspruch zu anderen Aussagen über den genannten Schuldirektor stehen. Der Versuch, ein persönliches Scheitern im Nachhinein mit der dämonischen Natur eines seine Macht missbrauchenden Schulleiters und vor dem Hintergrund einer heraufziehenden Verbrechensherrschaft und der Rolle des Himmler-Sohnes in ihr zu erklären, muss etwas unbefriedigend erscheinen. Dennoch ein Text, der in vielen Aspekten realistisch das Schulleben der Zwanzigerjahre zeigen dürfte.
Hinweise für den Unterricht
Auch Geschichte, Ethik und Religionslehre.
Behandlung im Unterricht:
-Ganzschriftlektüre moderner Text, Aufzeigen der Perspektivik
-Problematik der Charakterzeichnung bzw. deren Hintergründe
-Aufsatzunterricht: literarische Charakteristik, literarische Erörterung bzw. Erörterung im Anschluss an einen Text
Behandlung im Unterricht:
-Ganzschriftlektüre moderner Text, Aufzeigen der Perspektivik
-Problematik der Charakterzeichnung bzw. deren Hintergründe
-Aufsatzunterricht: literarische Charakteristik, literarische Erörterung bzw. Erörterung im Anschluss an einen Text
