Gesamtkatalog - alle Rezensionen des Leseforums
Leutnant Gustl
von Schnitzler, Arthur
| erschienen | Frankfurt am Main, 2001 (1900) Fischer Taschenbuch Verlag |
|---|---|
| ISBN-10 | 3-596-14941-X |
| Einband / Umfang | kartoniert , 223 Seiten |
| Preis | bis 10 € |
| Gattung | Erzählung |
Untertitel
Durchgängiges Erzählprinzip ist der innere Monolog des Protagonisten, eine Technik, die Schnitzler hier erstmals konsequent anwendet. An der Person eines jungen k. u. k. Offiziers werden die psychischen und gesellschaftlichen Folgen eines falschen Ehrbegriffes vorgeführt.
Bewertung
| Eignung als Klassenlektüre | gut geeignet |
|---|---|
| Eignung für Jahrgangsstufen | 11 |
| Eignung für Schularten | Gymnasien |
| Eignung für Fächer | Deutsch, Geschichte |
Besprechung
Der oberflächliche und egoistische Leutnant Gustl, ein typischer junger Offizier der k. u. k. Zeit, behaftet mit allen Vorurteilen seines Standes, gerät nach einem Konzert an der Garderobe in einen Wortwechsel mit einem anderen Konzertbesucher. Dieser, ein Bäckermeister, hält den Leutnant wegen seiner Arroganz kurzzeitig am Degen fest. Der an sich unwichtige Zusammenstoß mit einem nicht satisfaktionsfähigen Bürgerlichen, noch dazu in der Öffentlichkeit, bedeutet für Gustl einen nicht wieder gut zu machenden Angriff auf seine "Ehre" als Offizier. Duellieren kann er sich mit dem Gegner nicht, also bleibt die unauslöschliche Schmach, die allenfalls durch Selbstmord getilgt werden kann.
Die eigentliche Handlung der Erzählung spielt während der Nacht nach dem Konzert. Gustl versucht sich mit sinnlosen Vergnügungen abzulenken, im sicheren Wissen, dass er sich am Morgen erschießen muss. Bei Tagesanbruch erfährt er, dass der Bäckermeister überraschend an einer Krankheit gestorben ist und daher die Angelegenheit nicht ausplaudern kann. Dieses "Mordsglück" macht den Selbstmord überflüssig. Gustl kann weiterhin sein oberflächliches und sinnentleertes Offiziersleben führen. Eine Reflexion über den Sinn gesellschaftlicher Normen und Konventionen findet nicht statt.
Die eigentliche Handlung der Erzählung spielt während der Nacht nach dem Konzert. Gustl versucht sich mit sinnlosen Vergnügungen abzulenken, im sicheren Wissen, dass er sich am Morgen erschießen muss. Bei Tagesanbruch erfährt er, dass der Bäckermeister überraschend an einer Krankheit gestorben ist und daher die Angelegenheit nicht ausplaudern kann. Dieses "Mordsglück" macht den Selbstmord überflüssig. Gustl kann weiterhin sein oberflächliches und sinnentleertes Offiziersleben führen. Eine Reflexion über den Sinn gesellschaftlicher Normen und Konventionen findet nicht statt.
Hinweise für den Unterricht
Auch Geschichte.
Behandlung im Unterricht:
- Analyse der Erzähltechnik: Musterbeispiel für modernes Erzählen; innerer Monolog (möglichst unmittelbare Darstellung der psychischen Vorgänge); Vergleich mit Freud: Traumdeutung, Entdeckung des Unbewussten etc.
- Herausarbeiten der gesellschaftskritischen Elemente: Anmaßung und Überheblichkeit der adligen Offiziere; Rolle des Militärs in der Gesellschaft der Jahrhundertwende; Moral- und Verantwortungslosigkeit
- Untersuchung der satirischen Elemente
- Epochenmerkmale: Zeit des Übergangs der Moderne, Wertewandel und -verfall
Behandlung im Unterricht:
- Analyse der Erzähltechnik: Musterbeispiel für modernes Erzählen; innerer Monolog (möglichst unmittelbare Darstellung der psychischen Vorgänge); Vergleich mit Freud: Traumdeutung, Entdeckung des Unbewussten etc.
- Herausarbeiten der gesellschaftskritischen Elemente: Anmaßung und Überheblichkeit der adligen Offiziere; Rolle des Militärs in der Gesellschaft der Jahrhundertwende; Moral- und Verantwortungslosigkeit
- Untersuchung der satirischen Elemente
- Epochenmerkmale: Zeit des Übergangs der Moderne, Wertewandel und -verfall
